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„Als einst in der Fremde, nicht allzu fern von uns, in freundlichem Gespräche die Rede auf unser Schlesien kam und dabei von einigen die Äußerung fiel, sie hätten niemals auch nur den
Namen dieser Landschaft gehört, da verdross es mich, ein sonst doch nicht ruhmloses Land sogar bei Nachbarn so unbekannt zu finden, dass selbst die Leute, die keineswegs ohne Bildung waren, nicht einmal etwas von seinem
Namen wussten“, schrieb vor etwa 500 Jahren Barthel Stein. – Heute ist zwar der Name bereits bekannt – doch wer weiß schon etwas Genaueres über Schlesiens Geschichte, Schlesiens Menschen, deren
urtümliche Lebensweise, Bräuche und Sitten? Vieles ist geschrieben, vieles bewusst falsch dargestellt oder zitiert, vieles schlicht „erfunden“ worden, denn oft war die Intention der Schreiber oder die Propaganda der
Regierenden viel, viel wichtiger als die „Wahrheit“ – doch, andererseits, gibt es eine solche überhaupt? Wahrscheinlich nicht – aber es gibt viele „Wahrheiten“, genau so viele, wie es Familien gibt, die in Schlesien
gelebt und ihre eigene Familien-Geschichte, ihre eigene Wahrnehmung und Interpretation der Vergangenheit haben. Mögen diese auch sehr subjektiv sein, sie sind dennoch ein Mosaiksteinchen der allgemeinen Vergangenheit,
denn sie können und dürfen nicht losgelöst werden von dem politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umfeld: Das eine bedingt das Andere, steht stets in Wechselwirkung miteinander, ist Folge und Ursache zugleich. So ist
auch die Gesamtheit ohne die einzelnen Mosaiksteinchen unvollkommen – und gerade in Schlesien von größter Bedeutung, erwies sich gerade dort die sogenannte „Schulweisheit“ vielmals schlicht als Lug und Trug. Bereits
sehr früh setzte insbesondere in Oberschlesien eine „Schnelllebigkeit“ ein: Die Sprache der Großmütter verstanden die Enkel nur noch teilweise und das „Nationalbewusstsein“ wurde vielerorts wie die Unterwäsche
gewechselt – und doch sind die Oberschlesier als „Granitköpfe“ bekannt, und ein Jeder bleibt stets im Recht: Wie hart aber auch deren äußere Schale sein mag, im Herzen sind sie allesamt doch butterweich. Genauso
ambivalent und subjektiv wie eine Familiengeschichte nun mal ist, sind auch die folgenden Ausführungen, wobei mehr „Geschichten“ als „Geschichte“ erzählt werden, was aber darin begründet ist, dass für eine Familie -
(die übrigens bei den Schlesiern immer noch groß geschrieben wird) – beispielsweise eine Gehalts- oder Steuererhöhung oft viel gravierendere Veränderungen nach sich zieht als ein Regierungswechsel: Wie sehr auch die
zivilisatorische Entwicklung vorangeschritten sein mag, in dieser Hinsicht sind die meisten (nicht nur der Schlesier) doch noch „auf den Bäumen“ geblieben! |