Die Siedlung Comprachtschuetz entstand hoechstwahrscheinlich in der zweiten Haelfte des XIII Jahrhunderts. Zum ersten Mal wurde sie im Jahre um 1300 in dem Fundationsbuch des Bistums Breslau erwaehnt.
Comprachtschuetz wurde also schon vor einiger Zeit organisiert und funktionierte als Siedlung. Eines der bedeutesten Kloester in Schlesien, das auf diesem Gebiet viel taetig war, war Kloster Leubus (Lubiaz). Im
Besitze dieses Klosters finden wir auch unser Comprachtschuetzt im Jahre 1302. Aber schon 1312 tauschte das Kloster das Dorf gegen ein anderes ein. Comprachtschuetz erhielt ein Herr Boruta von Stechan.
In der
Dokumentation dieser Zeit wird das Dorf lateinisch als “Gumperti villa” gefuehrt, das heisst Gumpertsdorf. Es war eben damals Sitte neuaufgebaute Doerfer nach dem Begruender zu bennenen und das Dorf gruendete ein
Siedlungsunternehmer und zugleich Dorfschulze Gumpert. Aus Gumperti villa wurde dann Gomprachtitz - Gumprechticze und im Jahre 1534 wird aus Gumperti villa Comprachtitz, dann erst Comprachtschuetz. Im Jahre 1936 wurde
aus Comprachtschuetz wieder Gumpertsdorf, getreu nach dem Gruender Gumpert.
Ausser Gumpert sind auch die Vornamen anderer Schulzen des Dorfes bekannt. Am Anfang des XIV Jahrhunderts lernen wir einen Schulzen Nitscher
(Nikolaus), der zugleich in Wreske (Wrzoski) Schulze war, und einen Schulzen Heincze (Heinrich), im XV Jarhhundert - einen namens Cleyn Mertin kennen.
Zur Zeit der Gruendung, was in einem Kirchzehntverzeichnis
vermerkt wurde, wohnten in “Gumperti villa” 50 freie Bauern, also waren es 50 Hufen, das heisst Besitzungen, demnach musste es ein bluehendes Dorf gewesen sein. Im XV und XVI Jahrhundert erlebte aber das Dorf einen
gewaltigen Niedergang. Wahrscheinlich hatte es, wie viele andere Doerfer in den Kriegen der Hussiten stark gelitten. Zum Anfang des XVI Jahrhunderts hatte Comprachtschuetz nur noch 15 Besitzungen mit 20 Bauern. 23 aber
lagen wuest, das heisst, ausgebrannt oder zerfallen da. Immerhin haben einige Bauern naemlich die Schulzen Freiheit und Besitz noch in die neu anbrechende Zeit heruebergerettet. Wie auch diese letzten Geschlechter alles
verloren, das haben uns die oberschlesischen Landbuecher (Hypothekenbuecher) getreulich aufbewahrt.
Da waere zunaechst der Schulze Walek aus “Gumprachticz” zu nennen, seinen Zunamen kennen wir nicht. Er verkaufte 1571
zweieinhalb freie Hufen an den Freiherrn Georg von Proskau, der kaiserlicher Rat und aeltester Kaemmerer war, und dem das Dorf Comprachtschuetz damals gehoerte. Der Schulze hatte auf den Hufen zwei Untertanen, die
Poremba und Mania hiessen und sicherlich mit verkauft wurden. Er behielt noch zwei freie Hufe, fuer die er nur den alten Herzogszins zu entrichten hatte. Der zweite Schulze hiess Mondry, ausserdem werden noch die
Comprachtschuetzer Bauern Motyka und Mrozlencki als Zeugen erwaehnt.
Schon zwei Jahre spaeter fand ein neuer Verkauf statt, der anscheinend den alten Vertrag nochmals in sich schloss. Es verkauften die Schulzen
Sebastian Mandry und Schimek, Sohn des Walek 5 von 9 Hufe, die sie laut Bestaetigung durch herzoegliche Briefe hatten, mit den Untertanen Sykula, Troska, Poremba und Mania demselben Georg von Proskau, weil sie Geld
brauchten. Es laesst sich erkennen, dass diese 9 Hufen schon 1534 die letzten von den ehemals freien Hufen waren, weil sie dort nicht mitgezaehlt worden sind. Von 50 blieben also gluecklich 4 uebrig, und auch diese
muessen bald in Adelshaende uebergangen sein, denn spaeter ist von Freibesitz keine Rede mehr.
Aus den freien Bauern sind Leibeigene geworden.
Im Verlauf der Jahre im Zeitraum von 1534 bis 1763 aenderte sich wieder
der Besitztum des Dorfes. Naemlich nach der Eroberung Schlesiens durch den Preussenkoenig Friedrich dem Grossen im Jahre 1763, schenkte der Koenig, hoechstwahrscheinlich fuer die Verdienste waehrend der Schlesierkriege,
dem zum Ritter geschlagenen Vorfahren des Koeniglichen Kammerherrn und Rittergutbesitzer Baron Adolf von Thielmann das Dorf Comprachtschuetz. Die Bauern wurden jetzt nach der Schenkung Leibeigene des Rittergutes. Nach
der Aufhebung der Leibeigenschaft verlor das Gut seinen Glanz und am 25.06.1889 wurde der Rest des Gutes verkauft, was unter der Nummer 249 im Notariatregister des Jahres 1889 eingetragen wurde. Die Verhandlung fand in
Comprachtschuetz statt und wurde von dem in Oppeln wohnhaften Notar im Bezirk des Koeniglichen Oberlandesgerichts zu Breslau Notar Paul Schiffmann gefuehrt. Notar Paul Schiffmann war Jude aber von der schlesischen
Bevoelkerung sehr geschaetzt, denn Judenhass wurde nie durch Schlesier ausgeuebt, auch nicht waehrend der Hitlerzeit.
Die Hauptkaeufer des Gutes von 418 Hektar 47 Ar und 62 Quadratmeter waren:
- Josef Woesler
- Wirtschaftsinspektor aus Rogan.
- Nikolaus Segieth
- Pfarrer aus Comprachtschuetz.
- Johann Bautsch
- Albert Nogosek
- Berthold Cebula
- Hauptlehrer aus Comprachtschuetz.
- Franz Marszollek
- Viertelbauer aus Poppelau.
- Albert Koszyk
- Haeusler aus Comprachtschuetz
- Vincent Meier
- Viertelbauer aus Comprachtschuetz
- August Koszyk
- Gaertner aus Comprachtschuetz.
- Karl Halenka
- Muehlerbauer aus Dziekanstwo.
Sehr viele Kaeufer gehoerten zu unseren Grossvaetern.
Ausserdem wurden 50 Parzellen im Werte von 257.300 Mark an die Bewohner Comprachtschuetz verkauft. Viele von den im Kaufvertrag erwaehnten Familiennamen wie:
Klisch, Rother, Wotzka, Jurek, Meier, Rzany, Kondla, Labusga, Mainka, Grzyszczok, Kowolik, Langner, Schyma, Gabrielczyk, Mainka, kommen noch heute in unserem Dorfe vor.
Man muss auch darauf hinweisen, dass die
Einwohner Comprachtschuetz ausser den Kauf und Verkaufsbeschwerden des Besitzertums auch noch von Anfang an wechselhaft verschiedenen Nationen angehoerten:
- Im Jahre 1327 unterwarfen sich die oberschlesischen Herzoege der Oberlehnshoheit des Koenigs von Boehmen aus dem Geschlecht der Luxemburger und so wurden die Comprachtschuetzer Boehmen.
- Das Jahr 1526 brachte die Herrschaft der Habsburger, die bis 1740 andauerte, die Comprachtschuetzer werden Oesterreicher.
- Ab 1763 wird Schlesien zur Provinz Preussens und unsere Comprachtschuetzer sind preussische Landsleute.
- Nach der Gruendung des III Deutschen Reiches durch Adolf Hitler werden aus den Comprachtschuetzern Reichsdeutsche
- und nach dem II Weltkriege 1945 werden sie als Polen eingebuergert.
Bei dieser Vielfallt der Nationalitaeten wissen viele heutigen Einwohner Comprachtschuetz´s nicht, wer sie sind: Tschechen, Oesterreicher, Preussen, Deutsche oder Polen?
Die Verwirrnung finden wir auch in der
echten schlesischen Mundart wieder, die aus altpolnischen, boehmischen und deutschen Woertern besteht, wie auch in der Schrift. Von Anfang an bis 1939 war vorwiegend die gotische Schrift in Gebrauch, schon aber ab
1939-1940 auch die lateinische, die sich durchsetzte und die gotische vergessen liess.
Das waere also der kleine Einblick in die Geschichte unseres Dorfes, das schon ueber 700 Jahre besteht, und wir wollen es hoffen,
dass unser Dorf weiter unser Dorf bleibt.