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Lokator: Gumpert

Collected by Marian Sakry

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Es gibt keine (bekannte) Urkunde über die Gründung von Komprachcice - dass Gumpert der Gründer war, wird aber nicht bezweifelt, wurde doch nach ihm das Dorf benannt: Villa Gumperti.

Da Gumpert andererseits ein äußerst seltener Name war, geht man davon aus, dass die folgenden Urkunden sich ebenfalls auf ihn beziehen:

1293

Am Tage des heiligen Dionisius, dem 9 Oktober 1293, verkaufte der Herzog Boleslaus von Oppeln in Gegenwart des Palatin Andreas, dessen Sohnes Jesco, des Thomas von Kamen, des Nikolaus, Sohnes des Pizoto, des Wilhelm Lande, des Schulzen Buldrik von Lipno, des Adam Tulecz und anderer glaubwürdiger Personen, dem vorsichtigen Gumpert in dem herzoglichen Dorfe Tarnow 40 flämische Hufen (...) zur Aussetzung nach deutschem Recht.

Gumpert (vom) Main (aus der Region Main) kauft im Dorf Tarnow  40 fränkische Hufen vom Herzog Boleslaw I. ab.  (Siehe    und links zum Tarnow Opolski scrollen - polnische Webside!)

1308

1308 erneuert Herzog Boleslaw seinem Scholzen in Nova Villa das seinem Vater Gumpert ausgestellte, aber verbrannte Privileg über die Aussetzung der Scholtisei mit 6 Hufen, 1 freien Mühle an der Oder, dem 3. Pfennig vom Gericht und dem Recht Gärtner auszusetzen. Dies lässt zunächst einmal an unser Nachbardorf Nova Villa (Neudorf / Polska Nowa Wies) denken – doch die Mühle an der Oder und die Unterstellung des Scholzen dem Herzog deuten auf das spätere Königliche Neudorf / Bolko hin, das ebenfalls Nova Villa hieß. Diese Doppelnamigkeit und die relative Nähe beider Ortschaften lässt eine Unterscheidung der beide „Nova Villa“ kaum zu.

In diesem Kartenauschnitt aus dem Jahr 1747 sieht man die Dörfer, in denen Gumpert erwähnt wird: Villa Gumperti (Comprachcitz) - das heutige Komprachcice - wurde von ihm gegründet und nach ihm benannt, da dem Gründer einer Siedlung das Privileg zustand, es nach seinem Namen zu benennen - :

 Die Namen Nova Villa  und Tarnow deuten eher auf bereits existierende Siedlungen hin: “Neue Dörfer” etnstanden meist in der Nachbarschaft von “alten” - Tarnow (tarn = Weißdorngebüsch) deutet auf eine bereits bestehende ältere Familienbewirtschaftung mit eben diesem Flurnamen. (Siehe auch  )

Wie aus der Urkunde von Tarnow deutlich wird, kaufte Gumpert dort - und wahrscheinlich auch in Neudorf - sich ein, um seinen Nachkommen (=Söhnen) eine gesicherte Existenz zu gewährleisten: Da aber sein Name noch kein Familienname in unserem Sinne war, ist es leider nicht möglich nachzuvollziehen, ob ihm dies auch gelungen war. Da Gumpert 1302 in der Urkunde über die Gumperti villa - (siehe ) - nicht mehr erwäht wird, ist davon auszugehen, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr lebte. - (Bestätigt wird dies auch durch die zweite Urkunde von 1308 aus Neudorf) - Komprachcice muss demzufolge so etwa zwischen 1260 und 1270 gegründert  - und nach seinem Namen benannt worden sein: Die ungewöhnlich große Anzahl von Zeugen in der Urkunde über den Kauf von Tarnow sowie die Verwendung von “der vorsichtige Gumpert” deutet an, dass die “Lokatoren” bereits in der Anfangszeit - (nach der geleisteten Rodungs- und Kultivierungsarbeit) - sich der vertraglich zugesicherten Privilegien nicht (ganz) sicher waren:

Wie auch immer - der “vorsichtiger Gumpert” sorgte wohl dafür, dass seine Siedler ihn über Generationen hinweg weiter in dem Namen der Ortschaft ehrten - sogar dann noch als sein Name längst in Vergessenheit geraten ist! - (Übrigens ist es nicht gerade die Regel, dass ein Ort in Oberschlesien über Jahrhunderte hinweg den Namen des Gründers beibehält!)

Die Siedler brachten ihre Bräuche und ihren Glauben mit – In Gumperti Villa wird eine Kirche zum ersten Mal im Jahre 1355 erwähnt – in Tarnow / Tarnau 1376 – In den Visitationsberichten aus den Jahren 1679 und 1687/88 wird St. Martin als Schutzpatron beider Kirchen genannt: Es gibt keine anderen bekannten Kirchen aus dieser Zeit im Archipresbyterat Oppeln mit St. Martin als Schutzpatron.

Es ist also anzunehmen, dass die Besiedlung in Oberschlesien nicht nur durch Zuwanderung, sondern auch durch eine weitere Ostwanderung der Söhne der Siedler bedingt war: Als Gumpert Tornau aufkaufte - zogen  nicht nur einer seiner Sohn, sondern auch die Söhne anderen Siedler dorthin - und brachten auch ihren Schutzpatron “Martin” dorthin!

Es gibt leider keine gesicherten Unterlagen - und (undokumentierte) Zeiträume von etwa 200 Jahren sind nicht sleten - so dass auch meine Ausführungen eher “spekulativ” sind.

Aber eben darum ist es sehr wichtig, alle möglichen Daten zu sammeln und auszuwerten - so wie die z.B. von St. Martin ...

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