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(..) Der zuletzt genannte Gerbermeister ist erst nachtraeglich den anderen gefolgt. Wo die Liste keine Maenner mit ausfuehrt, ist anzunehmen, dass die betroffenen Maenner, also 6 an der
Zahl, schon im Voraus ausgewandert sind und die Ihrigen nachkommen liessen. Der Name Kraiczy spielt eine besondere Rolle. Die Familie Kraiczy scheint hier den Grundstock der Auswanderungslustigen abgegeben zu haben. Der
erste nach Amerika ausgewanderte Oppelner Kreisinsasse ist ebenfalls ein Kraiczy. Insgesamt nahmen die Auswanderer nach ihrer neuen Heimat Polen an Vermoegen 4280 Thaler mit. Auf den Kopf aller Ausgewanderten
umgerechnet, kommen 72 Thaler je
Person. Es ergibt sich nun unter Zugrundelegung dieser Ziffern für die Jahre 1862 bis 1874 eine Vermoegensminderung von
- 4 280 Thalern von 58 Auswanderern nach Polen
- 82 008 Thaler von 1 139 Auswanderern nach Amerika
- Zusammen: 86 288 Thaler von 1 197 Auswanderern.
In der fuer die damalige Zeit nicht unbetraechtlichen Hoehe des ins Ausland abwandernden Kapitals - in den anderen oberschlesischen Kreisen war es nicht anders - ist der Grund zu suchen, weshalb die Regierung
Pressenachrichten ueber den Umfang der Auswanderung nicht gerne sah, bzw. vielleicht sogar unterdrueckte. Als der Fuesilier Wilhelm Kraiczy nach beendeter Militaerzeit nach Friedrichsgraetz zurueckkehrte, fand er so
viele Nachbarn und Verwandte nicht mehr vor, dass auch ihn der Wandertrieb erfasste. Vielleicht hatte er auch keine Bleibe mehr im Dorfe. Denn es wird nicht von ihm gemeldet, dass er Vermoegen besessen hatte. So war
auch sein Wanderziel ein anderes: Amerika. Es scheint, dass er mit zu den ersten gehoert hat, die von der neuen Welt aus den Nachzug der uebrigen nach Amerika veranlasst haben. Vielleicht lauteten die Nachrichten dieses
Kraiczy und anderer so guenstig, dass nun 5 Jahre spaeter eine regulaere Heimatflucht im Kreise Oppeln einsetzte, die alljaehrlich Hunderte nach einem besseren Lebensziel aufbrechen liess. Die ersten 4 Maenner, die nach
Amerika gingen, stammten aus Poppelau. Sie brachen Ende des Jahres 1867 auf, und am 16.2.1868 folgten ihnen 16 Maenner, 11 Frauen und 32 Kinder nach. Es waren Familienangehoerige von Sobatta, Woiczyk, Stroch, Giemsa,
Kammler, Kautza, Passon, Sylla, Kokott; Halama, Schiwek und Macieg, alles bekannte Namen, die heute in Oppeln Stadt und Land haeufig vorkommen. Bald folgten ihnen 2 aus Brinnitz, 2 aus Poppelau, der Bauernsohn Jakob
Kulik aus Alt Schalkowitz, Haeusler Kowalczyk aus Jellowa, 4 Maenner aus Alt Schalkowitz: Glowania, Pampuch, Kilian und Kulig, sowie der Angenhaeusler Florian Krezik mit 3 Kindern nebst 2 weiblichen und 2 maennlichen
Personen über 14 Jahren. Noch im Maerz desselben Jahres waren es 33 Maenner, 27 Frauen und 87 Kinder, die aus Poppelau, Brinnitz(45), Schalkowitz (25), Friedrichsthal (7), Lugnian (8), Murow(1), Schulenburg (7),
Grabczok (1) und Oppeln selbst (1) dem neuen Erdteil zustroemten. Es werden dabei folgende Namen genannt: Sobotta, Koroll, Sczygola, Kulig, Gamroth, Stiller, Niwe, Kowalczyk, Prodlo, Sczepurek, Bautz, Kuba, Klimek,
Marsollek, Sonsolla, Rudolph, Pohl, Trat, Fautsch, Salonek, Knopp, Gritzner, Pampuch, Drass, Twardi, Tyris, Woiczich, Krell, Wiersgalla, Kutscher, Schweda, Lukaszik und Pieterek die aufbrachen zur grossen Reise ins
unbekannte Land. Es war dies die Zeit, wo in so manchem Ort Neuheiten (meist Gasthaeuser) den Namen "Neue Welt" erhielten zum Andenken an die nach dort Ausgewanderten (z.B. in Proskau, Gleiwitz u.a.) Ein
Ueberblick ueber den Beruf der Auswanderer zeigt, dass bei groesseren Trupps die Landwirte ueberwogen. Handwerker zogen vielfach in kleineren Gesellschaften fort, so im September 1868, als Nachtzuegler zu den vorher
Genannten, der Maurer Franz Kaniut und der Fleischergeselle Johann Jaunich aus Brinnitz; im Oktober : Glasmacher Friedrich May aus Murow; und im Januar 1869: Auszuegler und Raffinierschmied Lorenz Golla aus Wengern; und
im Februar: Weber Simon Otto aus Chroszczitz (mit 3 Angehoerigen), Muellergeselle Karl Wollner aus Oppeln, Haeusler Gregor Maciossek aus Schalkowitz (mit 2 Angehoerigen). Ihnen folgten im Februar noch 12 Maenner, 9
Frauen und 11 Kinder aus den gleichen Ortschaften sowie aus Dammratsch und Dombrowka; im Maerz 1869: Wochnik aus Dammratsch-Hammer, Sluga aus Pappelau und Goebel aus Pluemkenau, mit je Frau und Kind, zusammen 9
Personen. Eine grosse geschlossene Auswanderungsgesellschaft von 23 Maennern, 22 Frauen und 32 Kindern machte sich am 25.3.1869 auf den Weg, und zwar die Familien Sobotta, Sluga, und Habisch aus Popplau, Pieterek aus
Czarnowanz, Tyrys, Schmidt und Kupilla aus Grabczok, Golenia und Jaunisch aus Friedrichsthal, Egemann aus Pluemkenau, Burghardt aus Tauentzinow, Nelik aus Alt-Schalkowitz, Slensok, Albert und Stasch aus Lugnian, Gonsior
aus Brinnitz, David aus Zirkowitz, Schwierz aus Massow, und Knopp aus Wengern. Man sieht, gewisse Orte und Namen wiederholen sich haeufig. April 1869 waren 21 Maenner, 21 Frauen und 29 Kinder: Die Familien Pogrzeba
und Nalewaja aus Brinnitz, Kasparek aus Krogullno, Krafczyk aus Massow, Schwierz aus Lendzin, Morczinek aus Dziekanstwo, Stasch aus Lugnian, Kilian und Klimek aus Poppelau, Gbur, Szymitzek, Rudek und Marsolek aus
Schalkowitz, Josek und Galgou aus Kgl. Neudorf, Kaniut aus Frauendorf und Hylla aus Sacrau. Diese Reisegesellschaft kam in der Hauptsache aus Doerfern in der naechsten Umgebung von Oppeln. Wenn man daran denkt, dass vor
dem Weltkriege die Auswanderer und Sachsengaenger aus den slawischen Ostlaendern durch Agenten und halboffizielle Agenturen zur Auswanderung angeregt wurden, so geht man wohl nicht fehl, wenn man auch hier das Bestehen
solcher Vermittlungen annimmt. Denn anders waere die Zusammenstellung der Vorigen nicht zu erklaeren. Hier hat eben ein Vermittler lediglich die Umgebung von Oppeln ”bearbeitet”. Da kann man es verstehen, dass damals
nichts in die Zeitungen kam. Schon im Mai 1869 folgte der naechste Transport mit 39 Maennern, 29 Frauen und 55 Kindern: Pieterek und Kania aus Poppelau, Gnitka aus Brinnitz, Weidel aus Friedrichsthal, Purkott, Millek,
Filla, Maciossek, Pampuch, Psykalla, Prodlo, Szynowski, Wosch, Gbur und Pollok aus Alt-Schalkowitz, Stampka aus Chroszcütz, Drong aus Alt-Bubkowitz, Kuka und Sochor aus Brinnitz und Kasparek aus Carlsruhe. Hier hatte
sich ein Handlungskomis, Oskar Ebstein aus Carslruhe, angeschlossen. Aus der Oppelner Gegend folgten im Januar 1870 wieder 11 Maenner, 8 Frauen und 11 Kinder. Zu bemerken ist, dass Kinder ueber 14 Jahre immer jeweils
bei Frauen oder Maennern gezaehlt werden. Im letzten Transport kommen die Namen vor: Schiewek, Sobotta, Halama, Hannek, Passon, Klimek, Kampa, Stroch und Kuka. Maerz 1870 waren es: 10 Maenner, 13 Frauen und 22 Kinder,
u. zw. Wazecha, Sylla, Sobotta, Thoma, Kuka, Woiczyk aus Poppelau, Naglo, Sakry und Gohl aus Komprachtschuetz, Burczik, Jelen, Stroch und Waldemar aus Schalkowitz. Eigenartig ist es, dass die ganze Auswanderungswelle
zwischen den Kriegen 1866 und 1870/71 liegt. Denn i. J. 1870 kommen nur noch einige wenige Auswanderungen vor. Der Krieg hat hier also hemmend gewirkt. Man kann es sich denken, dass nicht nur die Behoerden bremsten,
sondern dass auch Leutemangel auf dem flachen Lande die Auswanderungslust daempfte. Erst von 1872 ab steigt die Auswanderungswelle wieder an. Man zaehlt 87 Familien mit 93 Maennern, 85 Frauen und 133 Kindern aus
Dammrasch, Poppelau, Chroszczitz, Liebenau. Grabczok, Schalkowitz, Krascheow, also immer aus denselben Ortschaften. Im Jahre 1873 sind es 63 Familien mit 63 Maennern, 59 Frauen und 98 Kindern aus der gleichen Gegend.
1874 nimmt die Zahl ploetzlich ab. Es sind nur noch 41 Familien, die nach Amerika auswandern. Im Jahre 1875 hoert man nichts mehr davon. Auffallend ist, dass gerade mit Beginn der sogenannten Gruenderjahre, also in der
Zeit wirtschaftlichen Niedergangs, die Wanderlust nachlaesst. Das gibt zu denken. Hat hier nur wirtschaftliche Not die Leute zum Auswandern getrieben? Lag nicht teilweise auch das sogenannte Fernweh vor? Wo sind die
vielen Tausende aus Oberschlesien in Amerika geblieben? Wo leben ihre Nachkommen? Hat mancher wieder in die Heimat zurueckgefunden? Haben sie geschrieben? Wo leben ihre Nachkommen? Was weiss man in unseren Doerfern
heute noch davon? |