Das Internet macht das Recherchieren so einfach. Seit laengerer Zeit laesst mich ein Gedanke, angestossen durch meine Tochter, nicht mehr los. Was ist los in Gumpertsdorf?
Meine Suche blieb nicht erfolglos, ich fand diese sehr schoene und umfangreiche Internetseite. Kompliment!
Was verbindet mich mit Gumpertsdorf?
In meinem Aktenordner „Familiengeschichte“ ist eine Kopie abgeheftet
– die Heiratsurkunde meiner Grossmutter muetterlicher Seite. Diese wurde am 09. April 1939 in Gumpertsdorf (Kreis Oppeln) mit Josef Szymocha getraut. Mein Grossvater stammt aus Luetzen (Ostpreussen). Meine Grossmutter,
Balbine Wotzka, wurde am 02.Maerz 1917 in Gumpertsdorf geboren. Ihre Eltern, meine Urgrosseltern waren Franz und Hedwig (geb. Michalski) Wotzka. Sie wohnten im Elternhaus, der Nr. 13.
Dieses Haus ist mir noch gut in Erinnerung. Hier wohnte „Tante Sophie“ und „Onkel Paul“ Janikulla.
Zwei Mal war ich in Gumpertsdorf. An den ersten Besuch 1965, ich war damals 3 Jahre, kann ich mich kaum noch
erinnern. Gleichzeitig war das meine erste grosse Reise. Es gibt nur wenige Erinnerungen an den Besuch: Die Handpumpen im Hof, die kleinen Katzen bei Tante Sophie, die fremde Sprache (ich versuchte diese
„nachzuplappern“) und die Taxifahrt mit „Onkel Gerhardt“. Er war der Sohn von Franz und Kaethe (geb. Wotzka) Kampa. Er verunglueckte spaeter mit dem Motorrad.
Sie wohnten am Sportplatz und dort bezogen wir auch unser Quartier fuer vierzehn Tage.
Mit zehn Jahren (1972) war ich wieder in Gumpertsdorf. An diese Tage erinnere ich mich noch heute sehr gerne. Erinnerungen gibt
es viele: Tante Kaethes Gaense, ihre Enkelkinder und meine Ferienfreunde Erwin, Joseph, Roland... (leider habe ich einige Namen vergessen), baden im Baggerteich, Pfifferlinge sauer eingelegt, einige polnische Worte
(schreiben kann ich diese nicht), der Schaeferhund Charlie... .
Die „Tante Sophie“ war die juengste Schwester meiner Grossmutter. Sie arbeitete in einer Baeckerei im Ort. Bei Ihr gab es die besten frischen Broetchen,
viele selbstgebackene Kuchen und Ziegenmilch.
Hier wurde immer ausgiebig gefeiert, denn hier wurde „Familie“ gross geschrieben. Onkel Paul zeigte mir mit dem Fahrrad die Gegend. Ich erinnere mich, unsere Pilzsuche
war wenig erfolgreich, dafuer war die Preiselbeerensuche sehr ergiebig. Das Fahrradfahren war wenig anstrengend hier im Flachland; kein Vergleich mit meiner thueringischen Heimat.
Die aelteste Schwester meiner Grossmutter, Tante Anna, wohnte auch in Gumpertsdorf am Bahnhof.
Meine Grossmuter kam bereits 1936 das erste Mal als Landarbeiterin nach Dornburg/Saale. Waehrend des Krieges ging Sie
zurueck nach Gumpertsdorf und fluechtete im Januar 1945 mit Ihren Kindern ueber Treuen/Sachsen nach Dornburg.
Meine Tante, die aelteste Schwester meiner Mutter, blieb bis 1959 in Gumpertsdorf bei den Grosseltern.
Hier heiratete Sie Alfred Mollek und meine Cousins Georg, Erwin und Josef wurden in Opole geboren. Verwandte der Familie Mollek duerften heute noch in Gumpertsdorf wohnen.
Leider ist die Verbindung nach dem Tod
meiner Grossmutter, Tante und Mutter abgebrochen. Die Spuren verlieren sich auch durch die Ausreise der meisten Verwanden nach Nordrhein Westfalen und Bayern.
Es gibt noch eine weitere Verbindung in den Raum Oppeln.
In meinem Heimatort Dorndorf – Steudnitz wohnen viele Buerger die Ihre Wurzeln in diesem Raum haben.
Mein Heimatort, genau wie Oppeln, ist durch die Zementindustrie gepraegt. Nach der Enteignung und Vertreibung der
juedischen Besitzer des Zementwerkes 1936 wurde das Werk Steudnitz der „Schlesische Portland-Zement-Industrie A.-G. Oppeln“ angeschlossen.
Es bestanden daher enge Kontakte unter den Werken. 1945 fluechteten viele
Oppelner nach Steudnitz und fanden hier auch Ihre neue Heimat und Arbeit in der Zementindustrie.
Damit habe ich das Groebste in Worte gefasst. Mein kleiner Beitrag zur Geschichte von Gumpertsdorf.
Leider verbinde
ich immer mit der Heimat meiner Vorfahren immer Flucht, Vertreibung, Krieg und Ungerechtigkeiten auf allen Seiten. Meine Hoffnung ist, dass mit dem Beitritt Polens zur EU die folgenden Generationen wieder zur
Normalitaet zurueckkehren, die Verkrampfungen im Umgang mit der Geschichte ( z.B. Gumpertsdorf oder Komprachcice) sich loesen und alte Graeben entgueltig verschwinden.
Mit freundlichen Gruessen
Detlef Himmelreich