|
Das ganze Volk ist gegen die Armen und Beduerftigen freigiebig und wohltaetig, gegen die Ungluecklichen barmherzig. Das bezeugen die scharenweise zu ihm hinstroemenden Bettler aus der
Fremde und bekunden die sogenannten Almosen und Stiftungen auf bestimmte Jahrestage, wie sie haeufig die Staedter in ihren Testamenten festsetzen. Sie bestehen in jaehrlichen Zinsen, die von der Stadt oder von Zuenften
oder von Privatpersonen verwaltet werden und den Beduerftigen ohne Unterschied zugute kommen in Gestalt von Schuhen, Kapuzen, Gewaendern, in Portionen von Brot, Fleisch, Fischen, auch von ganzen Mahlzeiten und Baedern.
Letztere nennt man Seelenbaeder, weil sie zum Heil der Seelen ihrer Stifter gegeben werden, und man pflegt sie in groesseren Staedten woechentlich zu verabfolgen. Das zeigen auch die Fremden-, Waisen-, Armen- und
Siechenhauuser, die ueberall anstaendig gebaut sind, und die Fremde, Arme, Sieche, Findlingskinder gesondert aufnehmen und verpflegen.Neben dieser werktaetigen Froemmigkeit betrachtet das Volk auch die
Treue als etwas Heiliges, und ihre Verletzung erscheint als hoechstes Unrecht. Deshalb ist Wortbruch selten und bringt immer Schande - daher gilt auch das einfache Wort als eidliche Zusage und das einmal Gesagte
zu verleugnen als Schimpf. Von anderen Deutschen und auch von Polen unterscheiden sich die Angehoerige unseres Stammes durch die Eigenart ihres Tonfalls, der uebrigens, zumal bei den Frauen, nicht haesslich klingt.
Das Land selbst ist oft von schweren Kriegen heimgesucht worden, denn die unruhigen Nachbarn wollten nicht eher Ruhe geben, als man sich ihrer durch Befestigungen erwehrte. |